Liebe Leser,
durch einen Bekannten bin ich auf den Radiacode 102 gestossen, ein "state of the art"-Strahlungsmessgerät, und habe es mir gleich zugelegt. Seit 2018 habe ich auch den GAMMA-SCOUT im Einsatz, daher im Folgenden auch ein paar Vor- und Nachteile der beiden Geräte im Vergleich.
Das Thema ist wichtig, einfach weil Radioaktivität eine Gefahr ist, für die wir keine Sinne entwickelt haben. Ich kann mich noch gut an Tschernobyl 1986 erinnern, wie damals der Gesundheitsminister die Bevölkerung zu beruhigen versuchte und die Kontamination verharmlost wurde. Wie gerne hätte ich damals einen Geigerzähler zur Hand gehabt, aber leistbare Geräte für die Zivilbevölkerung waren nicht verfügbar. Später erzählten uns die Mitarbeiter des Genetikinstituts, die mit radioaktivem Material arbeiteten (es gab viele Standardverfahren damals z.B. beim Sequenzieren von Genabschnitten, bei denen Proben mit 35S markiert wurden), dass deren Detektoren nach der Tschernobylkatastrophe massiv angeschlagen hätten, mehr als bei ihren radioaktiven Proben!
(Kleiner Einwurf: Daran kann man eine echte Katastrophe von einer Fake-Katastrophe (z.B. der Corona-"Pandemie") unterscheiden. Bei einer echte Katastrophe versuchen die Politiker die Sache kleinzureden und die Menschen zu beruhigen, bei einer Fake-Katastrophe werden Zahlen künstlich aufgebläht (unzuverlässige Tests, Massentests von Gesunden) und die Leute mit Angstmache und Lügen wie die "asymptomatische Ansteckung", Kinder stecken die Omas an oder die "Pandemie der Ungeimpften" manipuliert.
War Atomkrieg damals noch kein wirkliches Risiko, ist heute das Risiko zwar auch nicht groß, aber zumindest größer als früher, nicht nur durch den (unwahrscheinlichen) Einsatz von Atomraketen, sondern auch durch möglichen Terrorismus mit "schmutzigen" Bomben. Grund genug, sich einfach so ein Ding anzuschaffen.
Hier der Gamma-Scout und der Radiacode 102 im Größenvergleich:
Beide zeigen hier die Äquivalentdosis in µS/h an, die Werte des Gamma-Scouts sind meist etwas höher und schwanken mehr. Ein Wert von unter 0,1µS/h ist (zumindest bei uns) normale Hintergrundstrahlung (4,3mS/Jahr sind Durchschnitt in Österreich, 2/3 davon macht Radon aus(Quelle), in Deutschland wird der Durchschnitt mit 2-3mS/Jahr angegeben, mit Schwankungen je nach Wohnort und Lebensstil zwischen 1 und 10 (Quelle)). Akute Strahlenschäden treten ab ca. 1000mS auf.
Eigentlich kann man beide Geräte gar nicht gut vergleichen, denn der Gamma-Scout ist ein klassischer Geigerzähler mit Geiger-Müller-Zählrohr, der zwar α-Strahlung, β-Strahlung und γ-Zerfälle messen, aber keine darüberhinausgehende Aussagen über die Art und das Energielevel der Strahlungsemittenten machen kann, während die Radiacode-Baureihe keine α-Strahlung, β-Strahlung nur limitiert, aber dafür sehr genau γ-Strahlung misst und als Szintillationsdetektor zusätzlich auch Spektren und Spektrogramme erstellen kann (und damit angeben kann (auch im zeitlichen Verlauf), welches Isotop die Strahlung verursacht). Ist es ein Manko, dass der Radiacode keine α-Strahlung misst? Nicht wirklich, denn der wichtigste Alphastrahler, Radon, ist nur in Häusern zu finden (es entsteht im Erdreich und dringt durch die Keller nach oben) und kann durch regelmäßiges Lüften minimiert werden, während etwaige Atomunfälle oder -anschläge sich vor allem durch die γ-Strahlung bemerkbar machen würden. Außerdem geben α- und β-Strahler beim Zerfall meist auch γ-Strahlung ab und können so indirekt ermittelt werden.
Preislich liegt der Radiacode 102 bei ca. 285€, während man für den Gamma-Scout je nach Variante 500€ und mehr ausgeben muss. Für den Radiacode spricht auch seine Größe! Er passt tatsächlich in jede Hosentasche - perfekt für unterwegs. Auch das hintergrundbeleuchtete Display ist praktisch, das hat der Gamma-Scout nicht.
Was den Radiacode aber so bestechend macht, ist die Handy-App (Android und iOS), mit der man sein Handy im Nu über Bluetooth verbinden und in Echtzeit eine Strahlungskarte seiner Umgebung erstellen kann. Ich habe das kürzlich ausprobiert:
Detail der stärker strahlenden Bereiche im südöstlichen Teil der Karte:
Man kann jeden einzelnen Punkt anklicken und sieht den Strahlungswert, in diesem Fall 0,1µS/h, auch nichts Besonderes, aber etwas mehr als in der Umgebung.
Desweiteren gibt es auch eine Software für den PC, die man in Verbindung mit dem mitgelieferten USB-Kabel benutzen kann und die einem die Spektra der gemessenen Zerfälle anzeigt (die Handy-App kann das aber auch, sodass die PC-Software nicht unbedingt notwendig wäre), z.B hier die permanent gemessene Hintergrundstrahlung in meinem Arbeitszimmer:
Die Y-Achse ist ein Maß für die Anzahl der gemessenen Zerfälle.Wenn man mit der Maus die X-Achse entlangwandwert, sieht man links oben die jeweiligen Isotopen angezeigt, in diesem Screenshot ist es gerade 131I. Klickt man auf "more information", bekommt man mehr Infos zu den jeweiligen Isotopen, oft mehr als einem lieb ist!
Die Frage, wieso ein 131I-Teilchen in mein Arbeitszimmer kommt, kann der Radiacode allerdings nicht beantworten. Dieses Isotop tritt bei Reaktorunfällen aus (daher nimmt man Jod-Tabletten, die durch das entstehende Überangebot verhindern, dass sich das radiokative Isotop nennenswert in die Schilddrüse einlagert) und wird in der Medizin als Kontrastmittel und zur Strahlentherapie eingesetzt. Ich fürchte, dass ein paar Teilchen beim Gebrauch immer austreten und so in die Athmosphäre gelangen. Aber in diesen Mengen kein Grund zu Besorgnis. Auch hier gilt wohl sola dosis venenum facit!
Diese andere Art der Darstellung nennt sich Spektrogramm und zeigt die zeitliche Abfolge der einzelnen Zerfälle, die in Summe das Spektrum (oben) ergeben:
Das ist sicher nützlich, wenn man unterwegs ist, natürlich weniger, wenn sich der Radiacode an einer fixen Stelle befindet (und nicht von irgendwo gerade ein zeitlich begrenzter Peak an Strahlung eintrifft).
Die gemessenen Karten und Spektrogramme kann man speichern und Vieles Anderes damit anstellen (z.B. man kann die Hintergrundtrahlung (background noise) abziehen, um bestimmte Isotopen besser zu bestimmen), doch das würde jetzt zu weit führen.
Es gibt übrigens auch den Radiacode 103. Es kostet ca. 50€ mehr als der 102, aber beide sind ziemlich ähnlich. Angeblich kann der 103er schneller Spektrogramme erstellen erstellen, aber ich glaube insg. lohnt sich die Mehrausgabe im Alltag nicht.
Das sollte als allgemeine Info erst mal reichen, ich hoffe, es war interessant für Euch. Eventuelle Fragen kann ich ja in den Kommentaren beantworten (oder auch nicht).
Links:
https://space.radiacode.com/
https://www.gamma-scout.com/de/